Ihre Meinung zu konkreten Fragen.
21.03.2014, 16:56 Uhr
 
e-mail an Norbert Römer (SPD) - Inklusions-Ultimatum ist unakzeptabel
Das  „Ultimatum“ (so der Soester Anzeiger vom 21.3., S.2 ) von Norbert Römer, Vorsitzender der SPD-Fraktion im NRW Landtag, an die Städte und Gemeinden in NRW zum Thema "Kosten der Inklusion" finde ich völlig unakzeptabel.

Niemand kann heute absehen, welche Kosten es für Wickede und jede andere Gemeinde bedeutet, künftig Kinder von Förderschulen mit Umbauten und Integrationshelfern eine gute Lernumgebung an Regelschulen zu schaffen. Trotzdem setzt Römer uns jetzt die Pistole auf die Brust: Bis Ostern sollen die Kommunen erklären, mit 175 Mio Euro - verteilt auf mehrere Jahre - vom Land zufrieden zu sein. Sonst – so die unausgesprochene Drohung – gebe es erst einmal gar nichts, bis Gerichte entscheiden.

Ich habe daher mit einem per e-mail übermittelten Brief heute (21.3.) Herrn Römer dringend nahegelegt, diese Position zurückzunehmen.


Bürgermeister Arndt hat jetzt im Rat ausgeführt, dass sich aus dieser Summe von 175 Mio über mehrere Jahre bei der Zahl (396) und Größe der Kommunen in NRW nur ein ganz kleiner Anteil für Wickede erwarten lässt, der die Kosten nicht wettmachen kann, die Wickede schultern muss, um mehr Jungen und Mädchen, die besonderen Förderbedarf haben,  in den Grund- und Sekundarschulunterricht bei uns einzugliedern. Hier fallen erhebliche Umbauten und Einbauten, wie z.B. Aufzüge, an.


Herr Römer ist SPD-Wahlkreisabgeordneter auch für Wickede. Aber sein Versuch, das Thema jetzt in Düsseldorf mit Druck zu beenden, zeigt mir, dass er unsere Probleme mit diesem Thema nicht wirklich kennt oder mit ausreichend Zeit ernst nimmt:

1. Das von rotgrün eingeleitete, abrupte Ende der meisten bisherigen Förderschulen zerschlägt kurzfristig an der Westerheideschule in Echthausen eine von ganz vielen Eltern geschätzte, erfahrene Förderpädogik beim Schwerpunkt Lernen, die bislang Lernheimat für zahlreiche Kinder und Jugendliche aus Wickede und weit darüber hinaus war.

2. Viele Kinder an dieser Schule brauchen nicht nur eine gute Betreuung durch Lehrerinnen und Lehrer. Sie brauchen ebenso ein ruhiges, freundliches Lernumfeld auch mit Platz für Bewegung und Spiel. Ob dies an vielen, immer größeren Regelschulen geboten werden kann, wird von vielen noch bezweifelt. Es muss aber in jedem Fall umsichtig vorbereitet und finanziell ermöglicht werden.

3. Für viele Eltern war der Unterricht nach dem Montessori-Modell ein entscheidender Punkt, die Westerheideschule zu wählen. Es gilt jetzt, eine Lösung zu suchen, wie dieser Erfahrungsschatz in Zukunft im Wickeder Bildungsangebot aufgehoben bleiben kann.

4. Die Gemeinde Wickede wird nicht nur mit den Kosten der Inklusion an den anderen Schulen belastet, sondern auch mit der Frage, was mit dem Schulgebäude dann geschehen soll, einschließlich der Kostenfolgen.
 
5. Das Tempo und die Unklarheiten, die mit der Auflösung des Förderschulsystems in NRW einhergehen, verunsichern viele Eltern. Das haben in der letzten Schulausschusssitzung die Schulleiter Lischnewski-Wegener und Haurand noch einmal unterstrichen. Das Ultimatum des SPD-Fraktionsvorsitzenden Römer im Blick auf die Finanzierungsfragen fügt bestehenden Fragen und Sorgen neue hinzu, anstatt Ruhe und Augenmass in die große Aufgabe Inklusion zu bringen.

Mein Fazit:

Das Inklusions-Ultimatum des SPD-Politikers Römer zeigt wenig Interesse an den konkreten Auswirkungen der Inklusion auf Wickede und am Ende der Westerheideschule.

Ich vermisse seinen Einsatz für eine faire Lösung bei den Kosten für unsere Gemeinde und für eine Umsetzung der Inklusion mit Augenmaß.

Ich vermisse seinen Kontakt als Wahlkreisabgeordneter zur Gemeindeverwaltung, um sich vor Ort in seinem Wahlkreis kundig zu machen, was die Entscheidung seiner Landesregierung für die Kinder, die Lehrer und für Echthausen an nachteiligen Auswirkungen bedeutet. Das ist um unverständlicher, weil nicht nur Bürgermeister Arndt, sondern ausdrücklich auch der Wickeder SPD-Fraktionsvorssitzende Leo Spieth in seiner Haushaltsrede 2013 „Sorgen … der SPD-Fraktion [um] die Entwicklung unserer Westerheideschule in Echthausen“ deutlich formuliert hatte: „Wie wir alle wissen, wird dort hervorragende pädagogische Arbeit geleistet.“ Spieth bejahte Investitionen ausdrücklich „als ganz klares Signal an die Schule, dass wir weiterhin hinter dem Schulstandort Echthausen stehen“.

Ich sehe vielmehr im jetzt von Herrn SPD-Fraktionsvorsitzenden Römer gestellten Ultimatum an die Städte und Gemeinden in NRW eine große Nervösität bei bei der NRW-SPD, dass die schwerwiegenden Folgen der überstürzten Schulpolitik der Landesregierung in diesem Punkt bei den Kommunalwahlen ehrlich aufgerechnet werden.
 
Martin Michalzik


http://www.derwesten.de/politik/spd-fordert-von-staedten-entscheidung-bis-zur-osterpause-id9141854.html


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